Interoperabilität

Das Schlüsselthema

Die Digitalisierung erzeugt bislang nur Spielzeug.

Der Fortschritt der vergangenen zwanzig Jahre war atemberaubend, aber beschränkt auf Konsumgüter. Im B2C Bereich entstanden Plattformen für E-Commerce und Social Media. Hingegen gab es bis heute keinerlei Digitalisierung der Verwaltung. Und im B2B Bereich existieren lediglich Vorstufen in Form von ERPs und Automatisierung. Geschäftskritische Anwendungen sind seltener als vierblättrige Kleeblätter, Geschäftsprozesse über Unternehmensgrenzen hinweg fehlen völlig. Was die Realwirtschaft angeht, steckt die Digitalisierung fest.

Wie einst Wasser mit dem Eimer, tragen wir Daten von Hand ins Haus.

Sachbearbeiter und Sachbearbeiterinnen senden sich Daten per E-Mail zu, gerne in Formularen oder Excel Dateien. Alternativ geben sie Daten in Web-Masken ein. Dabei liegen die Daten in allen Unternehmen irgendwo strukturiert vor, meist in einem ERP. Es sollte also möglich sein, dass diese IT-Systeme direkt miteinander kommunizieren, ohne menschliche Bremsen.

Interoperabilität erfordert Standardisierung.

IT-Systeme können nur dann zwischen Unternehmen vermitteln, wenn die Schnittstellen herstellerunabhängig standardisiert sind. Diese Standardisierung existiert bislang lediglich auf technischer Ebene, in Form von TCP, SSL und XML. Nun bedarf es einer Standardisierung auf Anwendungsebene in der die Geschäftsvorfälle und Prozesse vereinheitlicht werden. Wie werden Preise zwischen IT-Systemen verhandelt? Wie erfolgt eine Bestellung? Wie fragt man lieferbare Mengen ab?

Standardisierung wird zu der zentralen Machtfrage im Internet.

Schnittstellen formen ein Rechtssystem. Sie schreiben vor, wie Systeme miteinander kommunizieren. Sie müssen daher zwangsweise demokratisch organisiert und legitimiert sein, und dies global. Jeder Versuch eines einzelnen Unternehmens, oder einer abgeschlossenen Gruppe von Unternehmen, einen Standard zu etablieren wird scheitern. Kein anderes Unternehmen würde sich auf so ein autoritäres Rechtssystem einlassen und sehenden Auges in eine solche Abhängigkeit begeben.

Big-IT versucht alles, um Standardisierung und Interoperabilität zu verhindern.

Standardisierung zerstört die beiden Geschäftsmodelle globaler IT-Giganten, Plattform-Kapitalismus und Vendor Lock-In. Plattformen werden vollkommen überflüssig, da IT-Systeme direkt miteinander kommunizieren. Vendor Lock-In, also die lebenslange Abhängigkeit von einzelnen Anbietern, wird durch Standardisierung gebrochen. Doch die Überrenditen an die sich Big-IT gewöhnt hat, sind nur mit solchen de-fakto Monopolen einzufahren. Die globalen Konzerne werden zu extremen Mitteln greifen, um Standardisierung zu verhindern und aufzuhalten.

Interoperabilität ist Europas Antwort auf digitalen Kolonialismus.

Interoperabilität und Standardisierung erzeugen einen ordoliberalen Wirtschaftsraum. Tausende klein und mittelständischer Unternehmen erhalten freien Zugang zu einem weltweiten Markt. Demokratisch organisiert entstehen ein globaler Wirtschaftsraum, und ein globales IT-Netz. Genau dieser Standardisierung verdankt Deutschland seine Wirtschaftskraft. Es gilt, die Erfolgsgeschichte des deutschen Mittelstandes zu wiederholen.