Das Smartphone ist kein Telefon.

Wir telefonieren lediglich wenige Minuten am Tag, klicken jedoch zweieinhalb Stunden. Das Smartphone ist ein tragbarer Internetzugang, durch den wir permanent online sind. Dabei nutzen wir hauptsächlich Messenger, Social Media und Spiele. Alle anderen Apps sind in Summe zu vernachlässigen. Viel interessanter als die Dauer ist die Häufigkeit. Im Schnitt greifen wir alle achtzehn Minuten zum Smartphone. Durch dauernde Unterbrechungen zerfasert unser Alltag in immer kleinere Sinneinheiten.

Kurzfristig macht uns das Smartphone unproduktiv und unglücklich.

Diese permanenten Unterbrechungen verhindern jede Form von Flow. Noch bevor wir in eine Tätigkeit eintauchen können, haben wir uns schon selbst unterbrochen. Doch diese gerichtete Aufmerksamkeit auf eine Tätigkeit ist der Quell von Glücksempfinden und Produktivität. Sie wird nun unmöglich.

Wir betreiben gemeinschaftliches Anti-Yoga.

Vor allem haben wir Muße und Langeweile aus unserem Leben entfernt. Doch diese Momente der Achtsamkeit waren ein natürliches Antidepressivum. Ähnlich wie Ballaststoffe in Dosenravioli fehlen uns nun Mikropausen wohlwollender Passivität. Im Yoga begibt man sich in eine orthopädisch korrekte Position, und versucht sich geistig zu fokussieren. Mit Smartphones begeben wir uns in orthopädisch absurde Positionen, und suchen die maximale Zerstreuung. Die Effekte des Smartphones wirken denen des Yoga diametral entgegen.

Wir haben Glücksspielautomaten auf die Größe von Taschenbüchern verkleinert, und so dekoriert, dass man sie nicht mehr erkennt.

Wenn Smartphones uns unglücklich und unproduktiv machen, und langfristig krank, wieso können wir nicht von ihnen lassen? Die Mechanismen ihrer Attraktivität liegen in ihren Belohnungsmechanismen. Eine Handlung wird gefolgt von einem Überraschungsmoment. Dieser schüttet Dopamin aus, und verspricht der nächste Versuch wäre sicherlich von Erfolg gekrönt. Smartphones folgen der gleichen Logik wie Glücksspielautomaten.”

Die schlimmsten Feinde Ihrer Aufmerksamkeit sind Sie und Ihre Freunde.

Die Herausforderung liegt in den permanentem Unterbrechungen. Diese haben zwei Ursachen. Wir selber, die wir denken irgendetwas checken zu müssen. Und unsere Freunde, die uns mit Nachrichten aus dem Flow katapultieren. An diesen beiden Punkten gilt es anzusetzen. Wir müssen unser eigenes Verhalten durch Digitale Diäten wieder einfangen. Und wir müssen eine Kommunikationsetikette nachziehen, in der wir unserer Verantwortung für die geistige Gesundheit unseres Kommunikationspartners übernehmen.

Die menschliche Psyche ist die zentrale Herausforderung des 21. Jahrhunderts.

Wir leben in einer Wissensgesellschaft. Allesamt erarbeiten wir unseren Lebensunterhalt mit unserem Kopf. Diese Ressource gilt es zu schützen. Im 21. Jahrhundert werden sich die Unternehmen durchsetzen, welche die mentalen Kapazitäten ihrer Angestellten am effizientesten managen. Und es werden sich diejenigen Individuen durchsetzen, die über die besten Strategien im Umgang mit der eigenen Psyche verfügen.”